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    Ahead of All Parting

    Page 35
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      laß dich läuten. Das, was an dir zehrt,

      wird ein Starkes über dieser Nahrung.

      Geh in der Verwandlung aus und ein.

      Was ist deine leidendste Erfahrung?

      Ist dir Trinken bitter, werde Wein.

      Sei in dieser Nacht aus Übermaß

      Zauberkraft am Kreuzweg deiner Sinne,

      ihrer seltsamen Begegnung Sinn.

      Und wenn dich das Irdische vergaß,

      zu der stillen Erde sag: Ich rinne.

      Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.

      XXIX

      Silent friend of many distances, feel

      how your breath enlarges all of space.

      Let your presence ring out like a bell

      into the night. What feeds upon your face

      grows mighty from the nourishment thus offered.

      Move through transformation, out and in.

      What is the deepest loss that you have suffered?

      If drinking is bitter, change yourself to wine.

      In this immeasurable darkness, be the power

      that rounds your senses in their magic ring,

      the sense of their mysterious encounter.

      And if the earthly no longer knows your name,

      whisper to the silent earth: I’m flowing.

      To the flashing water say: I am.

      Appendix to The Sonnets to Orpheus

      [I]

      Rühmen, das ists! Ein zum Rühmen Bestellter,

      ging er hervor wie das Erz aus des Steins

      Schweigen. Sein Herz, o vergängliche Kelter

      eines den Menschen unendlichen Weins!

      Euch kanns beirren, wenn man in Grüften

      Könige aufdeckt, verfault und verwürmt,—

      ihn hat der Hinfall der Häupter und Hüften

      zwar mit zehrendem Weh bestürmt,

      aber der Zweifel war ihm verächtlich.

      Er zerrang den Gestank und pries

      Tägiges täglich und Nächtiges nächtlich,

      denn wer erkennt die verwandelten Gnaden?

      Knieend aus dem Markte der Maden

      hob er das heile Goldene Vließ.

      [I]

      Praising is what matters! He was summoned for that,

      and came to us like the ore from a stone’s

      silence. His mortal heart presses out

      a deathless, inexhaustible wine!

      Don’t be confused if kings are discovered

      rotting in their sepulchers, gnawed by the worm—

      for a while the decay of body and head

      assailed him too with intense alarm;

      he, however, despising all doubt,

      throttled the stench and with praise affirmed

      the daily by day and the nightly at night,

      for who knows what is transformed by the graces?

      Kneeling from the maggots’ marketplace,

      he lifted the Golden Fleece, unharmed.

      [II]

      O das Neue, Freunde, ist nicht dies,

      daß Maschinen uns die Hand verdrängen.

      Laßt euch nicht beirrn von Übergängen,

      bald wird schweigen, wer das ‘Neue’ pries.

      Denn das Ganze ist unendlich neuer,

      als ein Kabel und ein hohes Haus.

      Seht, die Sterne sind ein altes Feuer,

      und die neuern Feuer löschen aus.

      Glaubt nicht, daß die längsten Transmissionen

      schon des Künftigen Räder drehn.

      Denn Aeonen reden mit Aeonen.

      Mehr, als wir erfuhren, ist geschehn.

      Und die Zukunft faßt das Allerfernste

      rein in eins mit unserm innern Ernste.

      [II]

      The New, my friends, is not a matter of

      letting machines force out our handiwork.

      Don’t be confused by change; soon those who have

      praised the “New” will realize their mistake.

      For look, the Whole is infinitely newer

      than a cable or a high apartment house.

      The stars keep blazing with an ancient fire,

      and all more recent fires will fade out.

      Not even the longest, strongest of transmissions

      can turn the wheels of what will be.

      Across the moment, aeons speak with aeons.

      More than we experienced has gone by.

      And the future holds the most remote event

      in union with what we most deeply want.

      [III]

      Brau uns den Zauber, in dem die Grenzen sich lösen,

      immer zum Feuer gebeugter Geist!

      Diese, vor allem, heimliche Grenze des Bösen,

      die auch den Ruhenden, der sich nicht rührte, umkreist.

      Löse mit einigen Tropfen das Engende jener

      Grenze der Zeiten, die uns belügt;

      denn wie tief ist in uns noch der Tag der Athener

      und der ägyptische Gott oder Vogel gefügt.

      Ruhe nicht eher, bis auch der Rand der Geschlechter,

      der sich sinnlos verringenden, schmolz.

      Öffne die Kindheit und die Schooße gerechter

      gebender Mütter, daß sie, Beschämer der Leere,

      unbeirrt durch das hindernde Holz

      künftige Ströme gebären, Vermehrer der Meere.

      [III]

      Brew us the magic in which all limits dissolve,

      spirit forever bent to the fire!

      That fathomless limit of evil, first, which revolves

      also around those who are resting and do not stir.

      Dissolve with a few drops whatever excludes in the limit

      of the ages, which makes our past wisdom a fraud;

      for how deeply we have absorbed the Athenian sunlight

      and the mystery of the Egyptian falcon or god.

      Don’t rest until the boundary that keeps the sexes

      in meaningless conflict has disappeared.

      Open up childhood and the wombs of more truly expectant

      generous mothers so that, shaming all that is empty,

      and not confused by the hindering wood,

      they may give birth to future rivers, augmenting the sea.

      [IV]

      Mehr nicht sollst du wissen als die Stele

      und im reinen Stein das milde Bild:

      beinah heiter, nur so leicht als fehle

      ihr die Mühe, die auf Erden gilt.

      Mehr nicht sollst du fühlen als die reine

      Richtung im unendlichen Entzug—

      ach, vielleicht das Kaltsein jener Steine,

      die sie manchmal abends trug.

      Aber sonst sei dir die Tröstung teuer,

      die du im Gewohntesten erkennst.

      Wind ist Trost, und Tröstung ist das Feuer.

      Hier- und Dortsein, dich ergreife beides

      seltsam ohne Unterschied. Du trennst

      sonst das Weißsein von dem Weiß des Kleides.

      [IV]

      Seek no more than what the stela knows,

      and the mild image sculpted in the stone:

      almost cheerfully, with a lightness, as

      though they were exempt from earthly pain.

      Experience no further than the pure

      direction in the world’s withdrawing stream—

      ah, perhaps the icy jewels she wore

      in that dimly lighted room.

      Be all the more consoled by what you see in

      the elements that are most truly yours.

      Wind consoles, and fire is consolation.

      Here and There: you must be gripped by both,

      strangely without a difference. Otherwise

      you drain the whiteness from the whitest cloth.

      [V]

      Denk: Sie hätten vielleicht aneinander erfahren,

      welches die teilbaren Wunder sind—.

      Doch da er sich langsam verrang an den alternden Jahren,

      war sie die Künftige erst, ein kommendes Kind.

      Sie, vielleicht—, sie, die da ging und mit Freundinnen spielte,


      hat er im knabigen schon, im Erahnen, ersehnt,

      wissend das schließende Herz, das ihn völlig enthielte,

      und nun trennt sie ein Nichts, ein verfünftes Jahrzehnt.

      Oh du ratloser Gott, du betrogener Hymen,

      wie du die Fackel nach abwärts kehrst,

      weil sie ihm Asche warf an die grauende Schläfe.

      Soll er klagend vergehn und die Beginnende rühmen?

      Oder sein stillster Verzicht, wird er sie erst

      machen zu jener Gestalt, die ihn ganz überträfe?

      [V]

      Imagine: they might have experienced through each other

      which of our miracles can be shared—.

      But while he gradually wrestled with growing older,

      she was as yet unborn, a still-future child.

      She, perhaps—still playing with her friends, it was she

      whom he had foreseen with boyish longing and love,

      knowing the heart that would one day hold him completely;

      and now a mere nothing parts them: a decade times five.

      Oh you bewildered god, you defrauded Hymen,

      how sadly you extinguish the wedding-torch now

      because it flung ashes onto that graying head.

      Must he die in laments, and praise the beginning woman?

      Or through his most silent yielding will he make her into

      that unmoving form by which he is wholly exceeded?

      [VI]

      Aber, ihr Freunde, zum Fest, laßt uns gedenken der Feste,

      wenn uns ein eigenes nicht, mitten im Umzug, gelingt.

      Seht, sie meinen auch uns, alle der Villa d’Este

      spielende Brunnen, wenn auch nicht mehr ein jeglicher springt.

      Wir sind die Erben, trotzdem, dieser gesungenen Gärten;

      Freunde, o faßt sie im Ernst, diese besitzende Pflicht.

      Was uns als Letzten vielleicht glückliche Götter gewährten,

      hat keinen ehrlichen Platz im zerstreuten Verzicht.

      Keiner der Götter vergeh. Wir brauchen sie alle und jeden,

      jedes gelte uns noch, jedes gestaltete Bild.

      Laßt euch, was ruhig geruht, nicht in den Herzen zerreden.

      Sind wir auch anders, als die, denen noch Feste gelangen,

      dieser leistende Strahl, der uns als Stärke entquillt,

      ist über große, zu uns, Aquädukte gegangen.

      [VI]

      When everything we create is far in spirit from the festive,

      in the midst of our turbulent days let us think of what festivals were.

      Look, they still play for us also, all of the Villa d’Este’s

      glittering fountains, though some are no longer towering there.

      Still, we are heirs to those gardens that poets once praised in their songs;

      let us grasp our most urgent duty: to make them fully our own.

      We perhaps are the last to be given such god-favored, fortunate Things,

      their final chance to find an enduring home.

      Let not one god pass away. We all need each of them now,

      let each be valid for us, each image formed in the depths.

      Don’t speak with the slightest disdain of whatever the heart can know.

      Though we are no longer the ones for whom great festivals thrived,

      this accomplishing fountain-jet that surges to us as strength

      has traveled through aqueducts—in order, for our sake, to arrive.

      [VII]

      Welche Stille um einen Gott! Wie hörst du in ihr

      jeden Wechsel im Auffall des Brunnenstrahls

      am weilenden Wasser des Marmorovals.

      Und am Lorbeer vorüber ein Fühlen: drei oder vier

      Blätter, die ein Falter gestreift hat. An dir

      taumelt er hin, im tragenden Atem des Tals.

      Und du gedenkst eines anderen Mals,

      da sie dir schon so vollkommen schien, hier,

      diese Stille um einen Gott. Ward sie nicht mehr?

      Nimmt sie nicht zu? Nimmt sie nicht überhand?

      Drängt sie nicht fast wie ein Widerstand

      an dein tönendes Herz? Irgendwo bricht sich sein Schlag

      an einer lautlosen Pause im Tag …

      Dort ist Er.

      [VII]

      What silence around a god! How, inside it, you hear

      every change in the sparkling fountain-spray

      on the marble pool, as it leaps up and falls back entirely.

      And over the laurel a feeling: three, perhaps four

      leaves that a butterfly touched. With a whir

      it goes tumbling past, on the buoyant breath of the valley.

      And now you remember another day

      when you felt it, already so perfect, here,

      the silence around a god. But was it like this?

      Isn’t it spreading? Isn’t it immense?

      Isn’t it pressing almost like a resistance

      upon your resounding heart? Somewhere its beat is broken

      on a soundless lull in the afternoon …

      There, He is.

      [VIII]

      Wir hören seit lange die Brunnen mit.

      Sie klingen uns beinah wie Zeit.

      Aber sie halten viel eher Schritt

      mit der wandelnden Ewigkeit.

      Das Wasser ist fremd und das Wasser ist dein,

      von hier und doch nicht von hier.

      Eine Weile bist du der Brunnenstein,

      und es spiegelt die Dinge in dir.

      Wie ist das alles entfernt und verwandt

      und lange enträtselt und unerkannt,

      sinnlos und wieder voll Sinn.

      Dein ist, zu lieben, was du nicht weißt.

      Es nimmt dein geschenktes Gefühl und reißt

      es mit sich hinüber. Wohin?

      [VIII]

      We have overheard fountains all our days.

      They sound to us almost like time.

      But much more closely do they keep pace

      with eternity’s subtle rhythm.

      The water is strange and the water is yours,

      from here and from far below.

      You are the fountain-stone, unawares,

      and all Things are mirrored in you.

      How distant this is, yet deeply akin,

      long unriddled and never known,

      senseless, then perfectly clear.

      Your task is to love what you don’t understand.

      It grips your most secret emotion, and

      rushes away with it. Where?

      [IX]

      Wann war ein Mensch je so wach

      wie der Morgen von heut?

      Nicht nur Blume und Bach,

      auch das Dach ist erfreut.

      Selbst sein alternder Rand,

      von den Himmeln erhellt,—

      wird fühlend: ist Land,

      ist Antwort, ist Welt.

      Alles atmet und dankt.

      O ihr Nöte der Nacht,

      wie ihr spurlos versankt.

      Aus Scharen von Licht

      war ihr Dunkel gemacht,

      das sich rein widerspricht.

      [IX]

      When was a man as awake

      as this morning is?

      Not just flower and brook:

      the roof too rejoices.

      Even its weathered rim,

      lit by the sky—

      finds it can feel: is home,

      is answer, is day.

      Everything breathes in accord.

      How tracelessly you have gone

      away, you cares of the night.

      Its darkness was formed,

      in pure contradiction,

      from legions of light.

      [BRUCHSTÜCKE]

      [i]

      So wie angehaltner Atem steht

      steht die Nymphe in dem vollen Baume

      [ii]

      Sieh hinauf. Heut ist der Nachtraum heiter.

      [iii]

      Hoher Gott der fernen Vorgesänge

      überall erfahr ich dich zutiefst

      i
    n der freien Ordnung mancher Hänge

      stehn die Sträucher noch wie du sie riefst

      [iv]

      Spiegel, du Doppelgänger des Raums! O Spiegel, in dich fort

      stürzt die Hälfte der Lächeln / vielleicht die süßesten; denn wie

      oft dem Meister der Strich, der probende, auf dem

      vorläufigen Blatt blumiger aufschwingt, als später

      auf dem bereiteten Grund der geführtere Umriß:

      So, oh, lächelst du hin, Unsägliche, deiner

      Morgen Herkunft und Freiheit in die immer

      nehmenden Spiegel

      [v]

      Immer, o Nymphe, seit je / hab ich dich staunend bewundert

      ob du auch nie aus dem Baum mir dem verschlossenen tratst—.

      Ich bin die Zeit die vergeht—, du bist ein junges Jahrhundert,

      alles ist immer noch neu, was du von Göttern erbatst.

      [FRAGMENTS]

      [i]

      Like held-in breath, serene and motionless

      stands the nymph inside the ripening tree

      [ii]

      Look up. How calm the heavens are tonight.

     


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